(Vorneweg möchte ich hier erstmal loswerden, dass der folgende Text ein Auszug aus meiner letzten -längeren- Email an einen meiner treuesten Freunde, einer meiner Vorbilder, Wegweiser und -gefährten ist.
Mein Bruder.
Der, den ich nie hatte.
Den gleichen Kram nochmal in irgendeiner anderen Form runter zu schreiben würde mich wahnsinnig machen.
Ein bisschen mehr als sowieso schon.)
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“Thias, Brother, I’m back.
Was soll ich sagen/schreiben…
Kroatien war einfach GEIL!
‘N anderes Wort gibbet dafür nich’.
(Okay, doch.
Sowas wie schön, phänomenal, umwerfend, gigantisch, traumhaft, klasse…)
Spontan hat uns zwischendurch aber die Idee übermannt später nach Slowenien
zu fahren und da noch zu campen. War ‘ne Bierlaune.
Kam irgendwie, als wir mit’m Boot zu einer Insel gerudert sind.
Auf der Hinfahrt saß ich vorne.
Drei Mann in einem Boot.
Ein Kanu.
Leichter bis mittelschwerer Seegang.
Die Hölle.
Ich wollte gerne kotzen, aber konnte nicht.
Hab mich zu sehr auf den blauen Boden konzentrieren müssen.
Ich hab nix gegen Boote, kein Problem damit.
Aber mit drei Mann in einem Kanu bei geschätzten… keine Ahnung – das
war… innovativ. Jedenfalls von den Bewegungen im Boot.
Wahrscheinlich hatten wir im Boot mehr Seegang als draußen.
Auf der Insel angekommen hab ich erstmal einen Schatz gehoben: ich hatte ‘ne
Tüte Bier mit.
Irgendeiner muss ja mitdenken.
Ein bisschen schnorcheln, ein paar Kippen rauchen, die scheiß Möwen
beleidigen und knapp an einem vorbei kacken lassen, dann sicher den
Mittelfinger zeigen – hätte auch anders ausgehen können – und sich gut
fühlen.
Sonnenbrand holen, weil man zu blöd und versoffen ist die Sonnenmilch
mitzunehmen. Hat sich aber gelohnt: ich hab keinen einzigen Pickel mehr.
Die trauen sich nicht mehr.
Obligatorisch ein paar Fotos und Videos machen, die Jungs um die Insel
schwimmen lassen und dann auf Idee kommen, dass Slowenien auch total toll
ist und wir da auf jeden Fall auch noch hin müssen.
Bzw. den ANDEREN kam die Idee. Ich wollte nicht. Wurde überstimmt.
Mein Gefühl hatte Recht behalten.
Slowenien war scheiße.
Zu viele Ausländer.
Im Ernst: Slowenien ist nix zum urlauben.
Jedenfalls nicht an der Küste, die maximal 30 Meter lang ist und an der ALLE
campen.
Wir wussten nicht, ob wir Angst um unser Gepäck, unsere zwei Wertgegenstände
- drei Dosen Bier – oder um unseren Arsch haben sollten.
Also sind wir nach einer Nacht wieder gefahren.
Nach Österreich.
Zum Glück kam beim Abreisen ein Unwetter auf.
Das machte die 15-Stunden-Fahrt ein bisschen abwechslungsreicher.
Vor allem bergab.
Und entschädigte für die Nacht am Hafen, an dem durchgehend Container
verladen wurden.
Aber das Meer war schön dicht.
Algen waren’s jedenfalls nicht.
Wahrscheinlich gibt’s für das, was ich da im Wasser gesehen habe, noch
keinen Namen.
Dafür schmeckt das Bier in Slowenien genauso gut wie in Kroatien.
Heißt ja auch gleich.
Pivo.
Pivo konnten wir uns merken.
4 Buchstaben, die die Welt retten.
Pivo.
Pivo kostet im Laden umgerechnet quasi das Gleiche wie hier. Ist nur einen
Ticken billiger.
Außer im Restaurant.
Da kostet der 0,5 Pivohumpen ca. _____ (bitte hier selbst eintragen)
Koreambels.
Also sehr viel günstiger als bei uns der Nullzwo’er Stiefel inner
Kaschemme.
“Koreambels” gibbet übrigens nich.
Wir haben die kroatische Währung “Kuna” einfach umbenannt.
Jedenfalls einer von uns.
Wir anderen versuchen immer noch das Wort einigermaßen verständlich
auszusprechen.
Nachdem wir von einer Fahrt zum Limfjord in Kroatien – Bilder folgen -
zurück zum Campingplatz kamen, hielten unsere Platznachbarn zu Dritt unser
Vorzelt fest. Es war stürmisch.
Sehr stürmisch.
Mir egal.
Ich hatte Pivo.
Wahrscheinlich hab ich in den paar Tagen alle Biermarken durch, die es im
Süden Europas so gibt.
Keine Ahnung.
Hauptsache Pivo.
Übrigens: wenn man in dem Wort “Mama” nur 4 Buchstaben vertauscht, kommt
“Bier” raus.
Ein verblüffender Trick.
Funktioniert auch mit Pivo, ist mir aufgefallen.
Hab dafür nur 4 Tage gebraucht.
Nach zwei Tagen hab ich mein Zelt abgebaut und den Supermarkt verflucht, in
dem ich es gekauft habe: der Regenschutz fehlte.
Nach dem Abbauen hab ich dann den Regenschutz gefunden.
In der Verpackung.
Pivo war zu der Zeit schön kalt.
Machte alles nix: wir haben zu zweit im Vorzelt gepennt.
Bodo und ich.
Meine Wenigkeit direkt neben der Kühlbox, die am Strom angeschlossen war.
Ich hab den Krach der Lüftung nachts nicht mitbekommen. Ich hatte vorher
pivoviert.
Wir alle.
Und das nicht zu knapp.
Die Menge an Dosen pro Tag will ich gar nicht ansprechen.
18.
Das war meine Schlagzahl.
Mindestens.
Vom Grappa ganz zu schweigen.
Waren zwar nur drei oder vier am Abend, aber bei dem Pivorismus am Tag
zeigten die ihre Wirkung.
Glaub ich.
Kann mich nicht erinnern.
Ich war ja pivoriert.
Obwohl wir gut pivoroviert waren, haben wir auch viel gesehen.
Porec, Rovinj, Pula – wir waren schwer unterwegs.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Schätze, dass die Kroaten froh sind, dass wir wieder weg sind und ihre
Mauern noch stehen.
Der Langhaarige hat sich übrigens verliebt.
Täglich so an die zwölfmal.
Kann man ihm nicht verdenken.
Die Kroatianerinnen sehen nicht schlecht aus.
Vor allem die blonden, mit der weißen Krone.
Einen halben Tag haben wir damit verbracht, uns Armbänder zu kaufen.
Damit hatten die Kroataner einen lukrativen Mob gefunden.
Nachdem wir auf Armbandsuche waren, hab ich jetzt einen neuen Strohhut.
Okay - nachdem ich den, den ich mitgenommen hatte, irgendwie auseinander
genommen bekommen habe.
Wahrscheinlich war ich’s selber.
Armbänder hab ich zwar drei neue, aber dafür auch ‘n Henna- Tattoo am
rechten Handgelenk.
Der Langhaarige hat das gleiche.
Nur am linken Handgelenk.
Wahrscheinlich liebt er die Verkäuferin immer noch.
Auf der Rückfahrt im Kanu saß ich übrigens in der Mitte vom Boot.
Ist genauso scheiße wie vorne.
Is’ wohl nix mit Tom Sawyer.
Jedenfalls nicht zu Dritt.
Geht ja auch nicht.
Robinson war auch nur zu zweit.
Ah, deswegen.
Der langhaarige Bombenleger hat seinen Hut übrigens nicht mehr.
Den hat er abgegeben.
Die Adria bedankt sich.
Möglicherweise sind jetzt Hundert Einsatzkräfte damit beschäftigt den Körper
von dem zu suchen, dessen Hut auf der Wasseroberfläche lustig hin- und
herschwappt.
Ich hab mit Booten nie Probleme gehabt.
Seit Benni und ich letztes Jahr auf dem komischen Fluss am Arsch der Welt
umgekippt sind, seh ich das irgendwie anders.
Ist wie beim Motorradfahren.
Einmal als Sozi Scheiße erlebt, geht das nich’ mehr.
Und jedes mal war ich nicht Schuld.
“Die Hölle, das sind die Anderen!” (Sartre)
(“L’enfer c’est les autres”)
(Der einzige Satz, den ich auf Französisch behalten habe. Und der kommt noch
nicht mal ausm Franz-Unterricht. Egal – hört sich gut an und kommt gut an,
wenn man den von sich gibt und sagt, dass man schon mal was von Sartre
gelesen hat.)
(Hab ich auch. Damals in der Stephenson. Ich kann mich nur nicht mehr
richtig daran erinnern.)

Einen Abend haben wir Musik gemacht.
“Hurra, Hurra!”
Wahrscheinlich öfter.
Ich kann mich nur an einen Abend erinnern.
Da saßen wir mit drei Mann und zwei Booten aufm VW-Bus – T3 – knapp 400 Kilo
- ohne Instrumente – und ich hab den hier gesungen:
http://www.youtube.com/watch?v=pdukSYLClDQ
(tut mir leid; mir fiel nix besseres ein…)
- die Leute kamen von allen
Seiten und haben Fotos und Videos gemacht.
Ich hab A und G gegeben wie noch nie zuvor.
Am nächsten Tag haben die Nachbarn sich bei Bodo und Sascha bedankt.
Was sie doch für eine gute Stimme haben!
Ruhm ist kalt und einsam.
Ich hab eh nicht zugehört. Ich hab mich pivoprismiriert.
Ich überleg’ gerade, ob ich die Mail an Dich in mein Blog packe oder ob
ich’s lieber sein lasse.
Prinzipiell eigentlich egal.
Ich hab eh nix zu verlieren.
Wie sieht’s eigentlich nächstes Wochenende bei Dir aus? Haste Zeit?
Ich könnte mich mit der Idee anfreunden nach Essen zu kommen.
Dann gäb’s den Rest der Geschichten.
Dear brother, I love you
Stepke”
“PS.: – In der Zwischenzeit haben wir uns längst getroffen; alles wurde gut; und das Leben geht weiter.
Irgendwie.
Ich freu mich schon auf das nächste Bier zusammen, Brother.
Abseits der Menschheit.”
Prost. :-)