Von Schüppchen und Förmchen…
Junge, Junge, die Kurzarbeit macht mich fertig. Ich habe das Gefühl, als hätte ich jetzt noch weniger Freizeit als vorher, weil ich nur noch unterwegs bin oder mich sonstwie beschäftige (ein Schelm, wer jetzt an Ferkeleien denkt).
Aber es tut gut, viel Freizeit zu haben und diese mehr oder weniger sinnvoll zu nutzen.
Abgesehen von dem ganzen Fotokram, der mich zwar Zeit und manchmal auch Nerven kostet, bin ich immer mehr mal wieder der Musik und Schreiberei verfallen. Und da es ja bekanntlich total entspannend ist auf Tausend Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, mache ich manchmal einfach gar nichts davon und geh’ grillen…
Aber: es wächst und gedeiht alles stückchenweise. Geduld ist und bleibt eine Tugend. Die Arbeit dahinter und das Dranbleiben und Weiterentwickeln ebenfalls. Das empfehle ich übrigens dringend denjenigen in allen Bereichen, die ich so ab und an überfliege, wenn ich in den nicht enden wollenden Sackgassen des Internetzes unterwegs bin.
Besonders die Gedichteschreiber sind mir in letzter Zeit ans Herz gewachsen! Nicht die Profis oder die, die wissen, wovon sie schreiben. Das ist ja langweilig, die verstehe ich ja…
Ich meine die, die ihr Leben lang kein Blatt Papier mit Tinte füllen konnten und wenn, dann nur die Telefonnummer irgendeines Besoffenen auf einen Bierdeckel zu schmieren wussten. Die, jaaaaa, die… die mag ich besonders!
Über die Strategen stolpert man immer wieder, wenn man in so Vereinigungen von geistreichen Schöpfern wie Wer-kennt-wen usw. über Profile stolpert, bei denen man sich sprichwörtlich aufs Maul legt und es schlagartig am ganzen Körper weh tut.
Ich meine damit keine Gänsehaut oder Zahnschmerzen wie man sie schon mal verspürt, wenn man aus Versehen den Fernseher anschaltet und nicht schnell genug von “Deutschland sucht den Superstar” zu irgendwas interessanterem zappen kann. Werbung, Testbilder, Stromausfall oder so…
Nein, ich meine das, was richtig weh tut!
Wie ein Schlag ins Gesicht mit einem mit Nägeln bespicktem Baseballschläger mit anschließender Ganzkörperlähmung über Koma bis hin zum Tod.
Oder Musik von Dieter Bohlen…
Ein akuter Fall kam mir letzte Woche mal wieder unter: zwecks Nummern- und Adressaustausches nach einer Feier verabredeten wir uns in einer dieser Kommunen, um zu planen, wann wir ein Garagen-Wochenende starten, um unsere Autos auf Vordermann zu bringen. Dummerweise habe ich mich dazu verleiten lassen, die Buddyliste des anderen durch zu sehen. Dann klickt man mal auf den, dann auf den anderen, dann auf die oder die andere und ZACK! – ist es passiert!
Ein Trennungsgedicht mitten auf der Startseite!
So dermaßen voll von schrecklich übertriebenem Pathos, dass mir von dem unreimbaren Gereime das Mittagessen aus der Kantine hoch kam!
Okay, das kommt mir auch so immer hoch – diesmal ging’s nur noch schneller.
Aber ich konnte einfach nicht wegsehen; ich MUSSTE weiterlesen. Leider. An den Spätfolgen leide ich noch heute.
Man kennt das von Sendungen wie “Autopsie”: man ist so abgestoßen fasziniert, dass man nicht wegsehen kann und nachher schlecht träumt und sich fragt, warum man dem menschlichen Abgrund so tief in den Schlund gesehen hat.
“Er war ja so süß und alles war so toll so perfekt deine Augen waren hamma”
(Hamma? Hamma kein Bier mehr oder wat?)
“ich habe die gelibt und bis in den Tot were ich mit dir gegangen
dein küssen an meine wangen”
(Das ist kein Witz – so ähnlich ging der Scheiß! Ich sag’s ja, wie ein Horrorfilm mit Alptraumfolgen, mit denen man sich unfreiwillig in den Folgetagen beschäftigen muss und die nur durch Komasaufen zu ertragen sind)
“die andere hat mein herz gebrochen”
(Wat denn jetzt? War’s ‘n Kerl oder bisse ‘ne Lesbe?)
“ich habe keine zukunft mehr
ohne dir ist alles leer
das ende war so hart
das waren die schönsten zwei Wochen meines leben!”
Jau.
Deutschlehrer war er jedenfalls nicht.
Und wenn, dann ein sehr verzweifelter.
Mal ehrlich: was soll man mit so Leuten machen, die nie ein Buch in der Hand gehabt haben und plötzlich aneinander gereihte Wörter für sich entdeckt haben?
Gut zureden? Duden schenken? Einschläfern?
Genauso verhält es sich mit denen, die seit ein paar Tagen eine Digicam haben. Die machen plötzlich Kunst!
Klar, wenn man so ein Teil neu hat, hat man Interesse, entwickelt Spaß und will mehr in die Materie einsteigen.
Sollte man meinen.
Im Gegenteil! Nach anfänglichem (und völlig normalen) wildem Rumgeknipse geht ein Mensch mit einem größeren IQ als ein Huhn hin und holt sich Informationen, liest Bücher, stöbert in Foren, fragt andere Fotografen, sieht sich bei anderen ein paar Grundregeln ab.
Nein, weit gefehlt. Im Laufe der Zeit werden die Bilder sogar noch schlechter. Wenn ich dann sage, sie sollen sich endlich mal mit der Thematik beschäftigen und sich wenigstens mit den Grundregeln vertraut machen, dann kommt oft (sehr oft!) die Antwort, dass das Lesen der Beschreibung langweilig ist und sie auch generell keinen Bock auf Lesen haben.
(Genau. Und dann schreiben sie auf einmal Gedichte…)
Und da soll man dann nicht anfangen zu saufen…
Es gibt aber noch andere, die mindestens genauso schlimm sind: die, die sich seit Ewigkeiten mit einer Sache ‘beschäftigen’ (ich weiß nicht, wie ich es anders nennen soll. Kunst ist es jedenfalls nicht) – (oder doch: die seinesgleichen suchende Kunst des Stillstandes) und nach ein paar Grundregeln des Umgangs mit einer Kamera immer noch genauso schlechte Fotos machen wie vor zwanzig Jahren.
Das sind dann die, die sich beschweren, dass sie keine Anerkennung bekommen.
Wozu auch?
Würde jemand einem ausgewachsenen Mann, der immer noch mit Förmchen und Schüppchen im Sandkasten sitzt und Sandburgen baut sagen: boah, das ist der Hammer! Alter! Das trifft mich! Du hast’s drauf!
(Schreib doch mal ‘n Gedicht…)
Wenn er bis drei zählen kann, verkauft er’s dann als “Retro”.
Aber ernsthaft: es ist ja absolut nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand einfach nur aus Spaß an der Freude Gedichte oder Lieder schreibt, Fotos macht oder sonstwas und das alles nur, weil er/sie/es dann im Schuhkarton auf dem Dachboden versteckt (da gehört das meiste auch hin).
Aber bitte: bleibt ernst und realistisch. Ich bin kein richtiger Künstler und ich kenne nur wenige, die sich das schimpfen dürften. Aber die, die es wirklich drauf haben, würden sich nicht als solche verkaufen, sondern machen nur ihr Ding.
Und hört endlich auf Dinge zu kritisieren, von denen Ihr absolut keine Ahnung habt! (Als Beispiel könnte ich da mal die fotocommunity im Bereich Fotografie nennen. Wer sich da alles erlaubt Kritik zu üben… sieht man sich dann mal deren Portfolio an fragt man sich, ob deren Kamera im Sandkasten nicht kaputt geht…)
Aber es gibt auch enorm positive Dinge in letzter Zeit: ich war mit Barde Breel in Köln bei The Notwist und es war genial! Wir hatten Glück, dass wir lebend ankamen, nachdem die Hinfahrt so dermaßen gelacht wurde, dass ich teilweise vor Tränen die Strassen nicht mehr sehen konnte.
Eines sei gesagt: der Breel und der Clement, die bauen bald wieder ‘ne ganz eigene Burg.
Prost.






